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Handsäcke fürs Ruhrgebiet.

Aus der Not wurde eine Tugend.

Duisburg lag damals in Schutt und Asche, als sich Wilhelm Fitzner sen. im Jahr 1948 dazu entschied nach Preußisch Oldendorf zu ziehen. Ein paar Verwandte hatte es auch nach Ostwestfalen verschlagen, daher fiel ihm diese Entscheidung nicht schwer. Deutschland war damals in vier Besatzungszonen unterteilt. Preußisch Oldendorf lag in der englischen. Es herrschte große Knappheit im Land und Wilhelm Fitzner entschied sich dazu, alte Mühlensäcke der umliegenden Mühlen für ein paar Pfennige zu säubern und zu stopfen. Aus dem restlichen Mehl, das sich noch in den Säcken befand, backte er sich damals sein Brot.

Handsäcke aus Segeltuch

Als gebürtiger Duisburger Junge wusste Wilhelm Fitzner um die Notwendigkeit von Arbeitshandschuhen. Denn im Ruhrpott ist seit jeher die Stahlindustrie zuhause. Aus dieser Zeit wusste er auch, dass die Stahlkocher für die harte Arbeit am Hochofen Schutz für die Hände brauchten.

Schon mit 21 jungen Jahren hatte der pfiffige Fitzner die Idee, aus alten Wehrmachtszelten Handsäcke, eine Art einfacher Schutzhandschuh zu nähen. Denn der Stoff war damals knapp und so ersteigerte er die ersten Meter bei der Stelle für gebrauchte Wehrmachtsausrüstung. Das feste, haltbare Segeltuch aus denen die Wehrmachtszelte gemacht waren, eignete sich besonders gut um daraus gebrauchstüchtige Schutzhandsäcke zu fertigen. So entschied Wilhelm Fitzner sich, sein altes Handwerk Mühlensäcke zu reparieren, gegen das Nähen von Handsäcken einzutauschen. In einer gemieteten alten Wehrmachtsbaracke fing er mit drei Näherinnen an. Eine Arbeitsstunde wurde mit 28 Pfennigen entlohnt.

Weichen auf Wachstum gestellt.

Leicht hatte Wilhelm Fitzner es nicht, denn die Notwendigkeit von Arbeitsschutzhandschuhen war den Arbeitern nicht ersichtlich. Die Handwerker von damals waren stolz auf ihre Schwielen an den Händen und verachteten den Handschutz. Denn die Schwielen waren Ausdruck harter Arbeit. Und Wilhelm Fitzner musste die Arbeiter erst von den Vorteilen, Schutzhandschuhe zu tragen überzeugen. Daher waren die ersten Produkte Anfangs nur für die Arbeiter von Bedeutung, die großer Hitze ausgesetzt waren. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich hier der Kreis schließt. Denn die ersten Kunden kamen aus dem Ruhrgebiet und einer der ersten Kunden war kein geringerer als Thyssen.

Von jetzt an waren die Weichen auf Wachstum gestellt. Bereits nach einem Jahr konnte er zusammen mit seiner Frau und 40 Näherinnen und Nähern in sein neues Haus samt Firma in die Kampstraße in Preußisch Oldendorf ziehen und dort „die besten Handschuhe aus Deutschland“ (Fitzner) fertigen.

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Der erste Firmensitz. Heute inmitten einer Neubausiedlung.

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„Die besten Handschuhe aus Deutschland“ – Produktion bei Fitzner.

Mit der Ponykutsche zum Verladebahnhof

Damals belächelten ihn einige, wenn er sich mit seiner vollgepackten Ponykutsche mal wieder auf den Weg zum Verladebahnhof machte. Bis spätestens halb 3 musste er diesen erreichen um seine Ware noch rechtzeitig verladen zu können. Manchmal hat Georg ihm allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Denn das ungeduldige Pony hat sich das ein oder andere Mal auch schon ohne voll beladenen Wagen auf den Weg zur Bahn gemacht. Georg kannte ja den Weg.

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Strich durch die Rechnung: Pony Georg ging seine eigenen Wege

Als Pony Georg 28 Jahre alt war, hatte er sich sein Gnadenbrot bei Fitzner wohlverdient und wurde gegen einen Trecker mit Anhänger eingetauscht.
Und da die Familie an Traditionen hängt, wundert es auch nicht, dass der Traktor samt Anhänger mit Wilhelm Fitzner sen. am Steuer auch heute immer noch über den Hofplatz fahren. Nach Duisburg nimmt er allerdings das Auto.

http://www.bgbau.de/praev/arbeitsschutzpraemien/schutzhelme/downloads/antrag_schutzhelm
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